Trichotillomanie: Das zwanghafte Haareausreißen verstehen und seine Auswirkungen auf das Haar
Trichotillomanie (TTM) ist eine psychische Störung, bei der Betroffene einen starken Drang verspüren, sich selbst Haare auszureißen – am häufigsten von der Kopfhaut, den Augenbrauen oder den Wimpern.
Dieses Verhalten steht häufig im Zusammenhang mit innerer Anspannung oder Angst und wird typischerweise von einem vorübergehenden Gefühl der Erleichterung nach dem Ausreißen der Haare begleitet. Mit der Zeit kann das wiederholte Haareausreißen zu sichtbaren kahlen Stellen, Narbenbildung oder sogar zu dauerhaften Hautschäden führen.
Die Trichotillomanie beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter (etwa zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr), während sie bei Erwachsenen häufig einen chronischen Verlauf annimmt. Wichtig ist, dass sich die Trichotillomanie von der Zwangsstörung (OCD) unterscheidet. Obwohl sich die Erkrankungen äußerlich ähneln können, ist TTM nicht zwingend mit aufdringlichen Gedanken oder Zwangsvorstellungen verbunden. Der Drang zum Haareausreißen tritt oft plötzlich auf, häufig ohne bewusste Wahrnehmung, und zeigt sich eher als mechanische oder reflexartige Handlung.


Welche Anzeichen weist eine Trichotillomanie auf?
Diagnostik und Behandlung
Die Diagnose der Trichotillomanie wird von einem qualifizierten Psychologen oder Psychiater gestellt, in erster Linie durch ein klinisches Gespräch und Beobachtung. Es gibt keine Bluttests oder bildgebenden Verfahren, mit denen die Diagnose bestätigt werden kann. Der Facharzt versucht zu klären, wann das Verhalten begonnen hat, wie häufig es auftritt, welche Auslöser bestehen und wie stark der Alltag der betroffenen Person beeinträchtigt ist. Zudem ist es wichtig, andere Ursachen des Haarausfalls auszuschließen, wie dermatologische Erkrankungen oder hormonelle Störungen.
Die Trichotillomanie ist behandelbar, erfordert jedoch meist eine Kombination therapeutischer Ansätze. Die wirksamste Behandlung ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), insbesondere eine spezielle Methode namens Habit-Reversal-Training (HRT). Im Rahmen dieser Therapie lernen Betroffene:
- zu erkennen, wann der Drang zum Haareausreißen entsteht,
- das Verhalten zu unterbrechen oder durch alternative, nicht schädigende Handlungen zu ersetzen (z. B. Stressbälle, taktile Gegenstände),
- Angst und Stress zu bewältigen, die häufig als Auslöser wirken.
In einigen Fällen kann zusätzlich eine medikamentöse Behandlung (z. B. Antidepressiva) in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn die Trichotillomanie gemeinsam mit Angststörungen oder Depressionen auftritt.


Wiederherstellung nach Trichotillomanie: Was passiert mit den verlorenen Haaren?
Wenn die Trichotillomanie unter Kontrolle gebracht wird und das Haareausreißen aufhört, können die Haare in vielen Fällen wieder nachwachsen, vorausgesetzt, die Haarfollikel wurden nicht dauerhaft geschädigt. Der Körper verfügt über natürliche Reparaturmechanismen, und sobald die wiederholte mechanische Belastung endet, können sich die Follikel schrittweise reaktivieren.
In Fällen, in denen es jedoch zu Narbenbildung oder einer Zerstörung der Haarfollikel gekommen ist, kann eine Haarwiederherstellung mittels Haartransplantation eine realistische und wirksame Lösung darstellen. Die Transplantation hilft, kahle Areale zu bedecken und Symmetrie sowie ein natürliches Erscheinungsbild der Haare wiederherzustellen.
Damit das Ergebnis stabil und dauerhaft ist, muss jedoch eine zentrale Voraussetzung erfüllt sein: Das trichotillomanische Verhalten muss bereits kontrolliert sein. Besteht der Drang zum Haareausreißen weiterhin, besteht die Gefahr, dass auch neu transplantierte Haare geschädigt werden. Aus diesem Grund ist die Haartransplantation nicht der erste Schritt, sondern vielmehr die abschließende Phase eines Wiederherstellungsprozesses – nach psychischer Stabilisierung und dem Abstellen der schädigenden Gewohnheit.
Die Transplantation kann kleinere Areale betreffen, wie etwa die Augenbrauen oder umschriebene kahle Stellen auf der Kopfhaut, oder auch größere Bereiche, wenn der Haarverlust ausgeprägter ist. Technik, Anzahl der Grafts und der Behandlungsplan werden stets individuell festgelegt, um ein natürliches und harmonisches Ergebnis zu gewährleisten.
Der Erfolg des Eingriffs beschränkt sich nicht nur auf die ästhetische Verbesserung. Für viele Menschen, die an Trichotillomanie gelitten haben, symbolisiert das Wiedererlangen des Haarwuchses zugleich die Rückkehr des Selbstvertrauens – ein wesentlicher Schritt hin zu psychischer Stabilität und einem Gefühl der Ganzheit.
